Geschichte
Die Stadtpolizei vor dem Ersten Weltkrieg
Im Jahr 1793 wurde in Karlsbad das erste Polizeibüro eingerichtet. Der Polizeikommissar teilte die Stadt in vier Viertel ein. Das erste Viertel bildete Tržiště, das zweite die Křížová ulice (heute Vřídelní, von der Patria bis zur Ondřejská ulice), das dritte Viertel lag „bei der Kirche“, also etwa im Bereich der heutigen Kolmá und Moravská mit Petřín, das vierte Viertel bildete die heutige Stará Louka.
Im Jahr 1828 teilte Bürgermeister Lenhart nach seinem Amtsantritt Karlsbad in acht Bezirke ein und bestellte für jeden einen Aufseher, dessen Pflichten vor allem darin bestanden:
- mit Hilfe der Polizei ortsfremde Landstreicher zu entfernen;
- auf die Einhaltung der Rechtsvorschriften zu achten;
- darauf zu achten, dass keine gesundheitsschädlichen Lebensmittel in den Verkauf gelangten, insbesondere Fleisch von kranken Tieren und unreifes Obst;
- umherziehende junge Leute zu beaufsichtigen, also Gesellen, Lehrlinge und Dienstboten;
- täglich auf richtige Maße und Gewichte zu achten;
- die nötige Aufsicht über die Kinder zu führen. Zu den besonderen Pflichten gehörte es, ein Verzeichnis der im jeweiligen Bezirk lebenden Armen zu führen.
Freiwillige
Bei Bedarf konnten zur Bewachung der Stadt weitere Helfer herangezogen werden. Im Jahr 1789 schlugen mehrere Bürger dem Magistrat vor, ihre beim Militär dienenden Söhne könnten während der Faschingszeit für die Sicherheit der Stadt sorgen. Unter diesem Vorwand ersuchte der Magistrat auf ihren Wunsch hin das zuständige Militärkommando, ihnen Urlaub zu gewähren.
Lebensmittelpolizei
Zur Ausübung der Lebensmittelpolizei wurden vier Bürger gewählt, deren Namen der Magistrat am 29. August 1792 dem Kreisamt zur Bestätigung meldete. Diese vier Polizeirevisoren oder Polizeiaufseher wurden eingesetzt, weil der Polizeikommissar der Lebensmittelkontrolle allein nicht gewachsen war – und diese war in einer Kurstadt nötiger als anderswo. Anlass dazu waren eine Beschwerde des Kreisamtes und dessen Anordnung. Die Kontrolle betraf vor allem die Bäcker und die Fleischer. Bäcker wie Fleischer mussten vom Kreisamt genehmigte Preisverzeichnisse besitzen und diese in ihren Läden bzw. an den Fleischbänken aushängen, damit sie für jedermann einsehbar waren. Ein Bäcker konnte für die Nichteinhaltung von Preisen und Qualität mit zwölf Stunden Arrest und mit der Beschlagnahme des Brotes bestraft werden, das anschließend dem Armenhaus übergeben wurde. Die Fleischbänke mussten sauber sein, der Hausierhandel mit Fleisch war nicht erlaubt. In diese Zeit fallen auch die Anfänge der verpflichtend geführten Speisekarten in den Gasthäusern. Sie mussten die Preise der Speisen enthalten und waren selbstverständlich handgeschrieben. Erneuert wurden sie jeden Monat.
Die Wachstube
Am 29. April 1793 wurde bei einer Kommissionsverhandlung im Kreisamt beschlossen, eine Wachstube in Form einer Bude an der Mauer an der Tepl zu errichten, und zwar so, dass man aus zwei Fenstern die Louka und aus dem dritten das Theater im Blick hatte. Die Wachstube sollte so groß sein, dass sich vier Stadtpolizisten darin aufhalten konnten. Bis dahin hatte es drei Stadtpolizisten gegeben. Genutzt werden durfte die Wachstube ausschließlich für polizeiliche Zwecke.
Die Stadtpolizei nach dem Ersten Weltkrieg
Nach dem Krieg hatte das Polizeiamt seinen Sitz im Rathaus in der Mlýnská ulice. Die Zahl der Polizisten stieg, sodass der Stand am 1. Mai 1923 betrug: 1 Oberwachtmeister, 3 Wachtmeister, 6 Kommandanten, 38 Oberstadtpolizisten, 24 Stadtpolizisten und 5 Agenten.
Im Jahr 1921 wurden die Uniformen geändert; die bis dahin getragenen Pickelhauben wurden durch Mützen ersetzt. Wachstuben befanden sich im Rathaus, in der Pražská ulice und im Haus Nr. 580 „Bohemia“ in der Nádražní ulice.
Die Verstaatlichung der Stadtpolizei
Der Befehl zur Verstaatlichung der Polizei, die am 1. Mai 1923 vollzogen werden sollte, traf am 27. April ein. Die Verstaatlichung wurde also nahezu von einem Tag auf den anderen durchgeführt. Der Karlsbader Stadtrat hatte offenbar damit gerechnet, die Polizei in seiner Verwaltung halten zu können, und wurde von dieser Aufgabe daher völlig unvorbereitet getroffen. Zur Durchführung der Verstaatlichung reiste am 27. April eine Kommission aus Prag an. Das Kommissariat umfasste Karlsbad, Rybáře, Drahovice und Tuhnice. Auch das Meldewesen fiel nun dem Staat zu.
Am 1. Mai 1923 übernahm der Staat insgesamt 36 Stadtpolizisten, die noch am selben Tag den Eid ablegten. Die übrigen 31 Polizisten sollten aus Altersgründen pensioniert werden; ihre Versorgung übernahm für fünf Jahre die Stadt. An die Stelle der nicht übernommenen Polizisten setzte der Staat neue, tschechische Beamte. Die übernommenen Polizisten mussten sich damit abfinden, dass für sie fortan dieselben Vorschriften galten wie für alle übrigen Staatsbediensteten – vor allem, dass sie jederzeit sofort versetzt werden konnten, etwa in tschechisches Umfeld, ohne Rücksicht auf ihre familiären Verhältnisse. Der Staat übernahm auch sämtliche bis dahin von der Stadtpolizei genutzten Räume, also das Polizeiamt im II. Amtsgebäude (Trautwein), die Wachstube im Haus Nr. 590, das Rathaus und das Gefängnis.
Im Jahr 1925 wurde die Wachstube aus dem Rathaus in das Haus „Hans Sachs“ Nr. 133 in der Vřídelní ulice verlegt. Um diese Räume kümmerte sich die Stadt noch fünf Jahre lang, danach erhielt sie dafür Miete.
Im Jahr 1933 wurde der Bau eines neuen Gebäudes für das Polizeikommissariat beschlossen, und die Räume im Gebäude Trautwein fielen an die Stadt zurück. Die vom Staat übernommenen Polizisten erhielten eine Frist von einem Jahr, um Tschechisch zu lernen. Am 1. Mai 1924 legten sie die Prüfung im Tschechischen ab: 27 von ihnen wurden endgültig übernommen, zweien, die die Prüfung nicht bestanden hatten, wurde die Frist um ein halbes Jahr verlängert, vier wurden aus Altersgründen entlassen; die restlichen drei, von denen nicht die Rede ist, schieden offenbar noch während der Probezeit aus. Der Staat übernahm auch die Stadtpolizisten, die in Rybáře, Tuhnice und Dalovice Dienst taten.
Am 1. Mai 1924 richtete die Stadt ein Ermittlungsamt ein, dessen Aufgabe jene Agenda war, die die staatliche Polizei nicht übernommen hatte. Zugleich stellte die Stadt aus den nicht übernommenen Polizisten eine Wache zusammen, die die Aufsicht in den Stadtwäldern und auf den Spazierwegen führte.
Die Stadtpolizei von heute
Wir schreiben das Jahr 1991, und an dessen Ende sorgt in Karlsbad eine Gruppe von 19 Menschen für die öffentliche Ordnung. Ihre Hauptaufgabe ist die Überwachung der Einhaltung der allgemein verbindlichen Verordnungen der Stadt. Der erste Arbeitsvertrag wurde am 1. Juli 1991 unterschrieben. Die fünf Ordnungshüter arbeiteten unter der unmittelbaren Leitung der Leiterin des Amtes für innere Angelegenheiten, die bei der Gründung der Stadtpolizei – damals noch als Ordnungsdienst der Stadt – von Anfang an dabei war. Mit ein wenig Übertreibung lässt sich also sagen, dass die erste „Chefin“ der Stadtpolizei Ing. Jindřiška Gallová war. Ab September wurde Ing. Stanislav Hubka mit der Leitung betraut. Er wandelte den Ordnungsdienst in die Stadtpolizei um, und zwar auf Grundlage der allgemein verbindlichen Verordnung Nr. 3/1992 über die Errichtung der Stadtpolizei vom 5. Mai 1992. Am Jahresende verfügt die neu entstandene Institution bereits über 41 Beschäftigte. Die Personalstände wachsen weiter, die Fluktuation ist anfangs jedoch hoch. Bis 1997, als die Stadtpolizei schon 74 Mitarbeiter zählte, waren 157 Bewerber aufgenommen worden, von denen 83 die Reihen wieder verließen.
Der Umfang der Tätigkeit der Stadtpolizei und die Nachfrage nach ihr bewogen die Stadtführung dazu, in Stará Role eine Dienststelle einzurichten. Zwei Jahre später, also im Jahr 1995, entsteht der Plan für eine weitere Dienststelle, diesmal für den Stadtteil Rybáře. In den Jahren 1995–96 wurde im Zuge des Umbaus des Sitzes der Stadtpolizei in der Moskevská 34 auch die Dienststelle in Rybáře errichtet, konkret in der Sokolovská ulice. Das Jahr 1995 ist noch aus einem weiteren Grund bedeutsam: Nach mehr als vier Jahren verlässt der bisherige Kommandant die Stadtpolizei, im Amt folgt ihm der langjährige Polizist JUDr. Miroslav Pubrdle. Mit seinem Antritt beginnt sich auch die Stadtpolizei selbst zu verändern. Pubrdle professionalisiert sie auf polizeilichen Grundlagen, nutzt aber ebenso die Möglichkeit größerer Beweglichkeit in Führung und Finanzierung. Die Erfahrungen aus einem Auslandsaufenthalt in den USA kann er so deutlich leichter umsetzen, als es bei der Polizei der Tschechischen Republik möglich gewesen wäre.
Im Jahr 1997 beginnt die Geschichte des städtischen Kamerasystems (im Folgenden „MKDS“). In der ersten Etappe wird ein Teil des Geschäfts- und Verwaltungsgebiets abgedeckt, ein Jahr später folgt die Erweiterung in die Kurzone. Die ersten Kamerastandorte bilden auch nach 15 Jahren noch das Rückgrat des MKDS. Hinzuzufügen ist, dass für das Kamerasystem wiederholt Fördermittel aus Programmen der Kriminalprävention gewonnen werden konnten. Im selben Jahr, in dem die Geschichte des MKDS begann, entstand auch eine neue Form des unmittelbaren Dienstes: die fahrende Polizei, genauer gesagt die Fahrradstreifen. Seither durchstreifen fünf Stadtpolizisten auf Mountainbikes die Straßen der Stadt. Das war übrigens eine der Ideen des damaligen Kommandanten, die sich sehr rasch von der Idee zur Umsetzung führen ließ.
Mit dem Abklingen der Fluktuation werden 1999 die Planstellen auf das historische Maximum von 83 Beschäftigten aufgefüllt. Im selben Jahr hat die Stadtpolizei allerdings mit dem häufigen Missbrauch der Notrufnummern zu kämpfen, was zu einem weiteren erfolgreichen Projekt im Rahmen des Programms der Kriminalprävention führt. Ziel ist die Aufzeichnung und Identifizierung böswilliger Anrufe.
Das Ende des Jahrhunderts verläuft für die Stadtpolizei nicht gerade günstig. Die Stadt führt Sparmaßnahmen ein, die ihre Tätigkeit drastisch treffen: eine deutliche Einschränkung des Dienstes durch weniger Streifen im Nachtdienst, die Reduzierung der Alarmempfangsstelle (PCO) und den Abbau von Planstellen. Der eingeleitete Personalabbau hat zur Folge, dass immer weitere Stadtpolizisten gehen, die in Zeiten der Unsicherheit lieber den Dienst bei der Polizei der Tschechischen Republik, bei der Armee oder beim Justizvollzug wählen. Im Dezember verlässt auch ihr Kommandant Pubrdle die Reihen der Stadtpolizei. Nach vier Monaten folgt ihm sein bisheriger Stellvertreter Bc. Marcel Vlasák nach.
Das zweite Jahrzehnt
Das Jahr 2001 ist für die Stadtpolizei daher vor allem ein Jahr der zurückgewonnenen Stabilität. Die Welle der Abgänge wird zur Jahresmitte gestoppt, als der Personalstand von 82 auf 68 gefallen war; einen stärkeren Einbruch verhinderten vor allem sieben Auswahlverfahren, die in diesem Zeitraum stattfanden. Vlasák und sein Team stehen damit vor der grundlegenden Aufgabe, die neuen Mitarbeiter einzugliedern. Deren berufliche Ausbildung stand ganz am Anfang, und viele von ihnen mussten die Reihen der Stadtpolizei später wieder verlassen. Sie glichen den Personalmangel vorübergehend aus, entsprachen aber nicht den langfristigen Vorstellungen von einem Stadtpolizisten, der den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Karlsbad dient. Diese neue Erfahrung veranlasste die Leitung, die Auswahlverfahren zu verschärfen. Die unsinnigen und konzeptlosen Kürzungen im Haushalt hatten bald ein Ende, als der Stadtpolizei durch eine Haushaltsmaßnahme wieder mehr Mittel zugewiesen wurden. Die zweite Hälfte des Jahres 2001 steht erneut im Zeichen der Modernisierung der eingesetzten Technik. Der Umbau des Funknetzes mit einem Umsetzer ist der erste Schritt. Es folgt die Modernisierung der Alarmempfangsstelle, die um eine Ortungsanlage für die Dienstfahrzeuge ergänzt wird. In Betrieb geht ein internes Kamerasystem, mit dem die Stadtpolizei unter anderem die Eingangshalle des Magistratsgebäudes überwacht. Das MKDS wurde einer notwendigen Erneuerung unterzogen. Neben der Technik kommt die Stadtpolizei auch mit einer Neuerung für die Bürgerinnen und Bürger: Seit dem 1. Dezember fängt sie streunende und entlaufene Hunde ein. Es dauert nicht lange, und die Stadtpolizisten verbuchen auf ihrem Konto auch ein Wildschwein, ein Reh, Schlangen, Fledermäuse und weitere Vertreter des Tierreichs.
Die Bewältigung der Krisensituation bringt die Stadtführung dazu, die Stadtpolizei zu unterstützen: In der Sitzung der Stadtvertretung vom 19. März 2002 wurde eine neue Organisationsstruktur beschlossen, in deren Rahmen die Planstellen auf 78 erhöht wurden. Ziel der Leitung ist es verständlicherweise, diese Stellen zu besetzen, doch die Auswahl muss weiterhin hochwertig bleiben. Eine Aufweichung der Anforderungen könnte nämlich fatale Folgen haben. Die folgende Zeit gilt der Pflege der vorhandenen Technik, der Auffüllung der Planstellen sowie der Steigerung der Fachkompetenz der Stadtpolizisten einschließlich ihrer Weiterbildung. Ende 2004 gelang es, den Stand von 78 Beschäftigten und eine sehr akzeptable Fluktuation von 5 % zu erreichen. In der Weiterbildung bewährte sich für die Stadtpolizei die Zusammenarbeit mit der Hochschule Karlsbad, mit dem Bildungsinstitut POLIS und mit den Psychologen PhDr. Miroslav Pospíšil und PhDr. Jiří Bauer. Durch die aktive Förderung der Ausbildung ihrer Stadtpolizisten hatte die Stadtpolizei die Frage der Mittelschulbildung mit Abitur bereits fünf Jahre vor Einführung dieser gesetzlichen Bedingung zu 80 % gelöst. Im Jahr 2004 führte die Stadtführung ein Mitarbeiterprogramm für die Stadtpolizisten ein: die Übernahme der Lebensversicherung in Abhängigkeit von den geleisteten Dienstjahren. Das Programm, dessen Ziel es ist, die Beschäftigten der Stadtpolizei zu motivieren und zugleich zu halten, ist zweifellos ein Gewinn.
Der schrittweise Ausbau des Dauerdienstes findet im Jahr 2006 seinen Abschluss im Aufbau einer neuen Leitstelle mit dem nötigen Umfeld für die Führungsarbeit der Operatoren. Im selben Jahr wird ein Aufsichtsdienst eingerichtet, der den Operatoren unter anderem den Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern abnimmt und eng mit der Abteilung für Ordnungswidrigkeiten zusammenarbeitet. In diesem Sinne wird die Leitstelle nach und nach erweitert und modernisiert. Die Anlage zur Aufzeichnung der gesamten Kommunikation dieser Leitstelle wird durch ein neues System ersetzt. Das MKDS wird in den folgenden Jahren nach Rybáře und Stará Role erweitert. Die Aufzeichnungen der inzwischen 15 Kamerastandorte werden auf einer aufgerüsteten Anlage gespeichert. Ab 2008 verfügen die Stadtpolizisten zudem über eine mobile Kamera, die sie vor allem im Umfeld von Schuleinrichtungen einsetzen.
Im Jahr 2006 schaffte die Stadtpolizei dank eines erfolgreichen Projekts mit einer Förderung des tschechischen Innenministeriums ein Radargerät an; damit begann eine Zeit verstärkter Zuständigkeit der Stadtpolizisten im fließenden Verkehr. Diese Tätigkeit wurde zwar für einige Zeit durch unsinnige Gesetzesänderungen unterbrochen, seit 2011 erfüllt die Stadtpolizei jedoch wieder ihre Rolle als Mitgarant der Sicherheit auf den Straßen. Neben der Repression, die in Abstimmung mit der Polizei der Tschechischen Republik klar geregelt ist, werden in der Stadt sechs Geschwindigkeitsanzeigen mit eindeutig präventivem Charakter eingesetzt. Die statistischen Daten dienen der Orientierung darüber, wie die Fahrer die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten einhalten.
Im Jahr 2009 stellte die Stadtpolizei vollständig auf ein neues digitales Funknetz um, das die Ortung der Streifen und damit ihren wirksameren operativen Einsatz ermöglicht. Die bisherige Ortung der Fahrzeuge wurde so auch auf die Fußstreifen ausgeweitet. Von den Gesetzgebern erhalten die Stadtpolizisten eine „Bescherung“ in Form der Pflicht, Betrunkene in Ausnüchterungsstationen zu bringen, und zwar außerhalb des Stadtgebiets. Die Komplikationen dieses erheblichen Eingriffs in die örtliche Zuständigkeit federt die Stadtführung teilweise ab, indem sie der Stadtpolizei ein speziell umgebautes Transportfahrzeug beschafft. Nicht nur Technik und Gesetzgebung, auch das von der Abteilung für Kriminalprävention getragene Präventionsprogramm der Stadtpolizei verändert sich. Die sehr gute und langfristige Arbeit der Stadtpolizisten dieser Abteilung trägt deutlich zu einer positiveren Wahrnehmung der Stadtpolizei bei. Im genannten Jahr tritt die Stadtpolizei als erste in der Republik dem Polizeiprojekt AJAX bei. Ein Jahr später startet das neue Projekt „Senioren-Akademie“, das von Anfang an großen Anklang bei den Seniorinnen und Senioren findet und 2011 sogar erweitert wird, da bereits unter finanzieller Beteiligung des Innenministeriums. Viele Informationen über seine Arbeit einschließlich der Präventionsprogramme führt der Kommandant der Stadtpolizei Vlasák in den Jahresberichten an.
Das Jahr 2010 bringt eine Zeit ohne Investitionen. Die Stadt spart erneut, und so setzen die Stadtpolizisten nur Projekte mit geringen Kosten um. Die Dienstfahrzeuge werden mit Fahrzeugkameras ausgestattet, die nicht nur das Bild vor dem Fahrzeug aufzeichnen, sondern per GPS auch dessen Bewegung und Geschwindigkeit. Künftig werden die Kameras sicher von einem Online-System abgelöst, dessen Daten die Leitstelle bestmöglich nutzen kann. Außerdem erhielten die Stadtpolizisten Notebooks mit Online-Zugang zum Informationssystem in die Fahrzeuge, was mehr Zeit auf der Straße statt auf der Dienststelle ermöglicht. Nichts hindert sie daran, einen Amtsvermerk im Fahrzeug zu schreiben und ihn sofort in der Leitstelle auszudrucken. Das Jahr 2010 war auch für die Fahrradstreifen wichtig, denn seit Einführung dieser Dienstform erhielten sie bereits zum zweiten Mal neue Diensträder. Dank einer Spende „satteln“ die Stadtpolizisten nun Räder der Marke Specialized. Große Anerkennung erhalten am Ende des Jahrzehnts vier Stadtpolizisten der Einheit für Krisensituationen, die ihre Fertigkeiten beim Bergen von Menschen aus Fahrzeugen bei Hochwasser im Rahmen thematischer Schulungen auf dem Brünner Messegelände vorführen und auf Einladung auch auf der Konferenz Autotec vortragen.
Im folgenden Jahr 2011 erhalten die Stadtpolizisten den sehnlich erwarteten Austausch des Fuhrparks, der zum Teil bereits auseinanderfiel. Diese Worte sind etwas überspitzt, doch der zweijährige Finanzausfall hat sich an den Fahrzeugen eindeutig bemerkbar gemacht. Ende des Jahres begann außerdem der in zwei Etappen geplante Austausch der fast 20 Jahre alten Dienstpistolen. Bedeutsam ist 2011 auch wegen der Unterzeichnung der überarbeiteten Koordinierungsvereinbarung, die vor allem die Zusammenarbeit von Stadtpolizei und Polizei der Tschechischen Republik regelt. Sie war erstmals im Jahr 2009 geschlossen worden und wurde nach zwei Jahren an die praktischen Erfahrungen beider Sicherheitskräfte angepasst. Hinzuzufügen ist, dass die sehr gute Zusammenarbeit vor allem auf der persönlichen, menschlichen Ebene gründet. Das Jahr 2011 bringt auch personelle Veränderungen. Der Verwaltungsbereich wird um eine Stelle verschlankt, die regelmäßige Kontrolle der Parkautomaten und damit auch die Stelle des Bedieners entfällt. Zur gleichen Zeit wird für die Randbezirke der Stadt ein neuer Streifen- und Rundgangsdienst eingeführt, der mobile Rundgangsdienst (im Folgenden „MOS“), dessen Leitmotiv lautet: „Zeit für den Bürger“. Die Stadtpolizei bemüht sich, den Einwohnerinnen und Einwohnern näherzukommen, und kommt neben der Revierzuordnung im Internet nach Jahren mit einer weiteren Maßnahme in Form des MOS.
Zwanzig Jahre danach, das heißt das Jahr 2012, ist ein Beleg für die Berechtigung der Stadt- und Gemeindepolizeien. Die Karlsbader ist heute untrennbarer Bestandteil jenes Gefüges, das die örtlichen Angelegenheiten der öffentlichen Ordnung und Sicherheit regelt. Wie in den Jahren zuvor kommt der „Hüter der Ordnung“ auch in diesem Jahr mit einer Neuheit: mit persönlichen Transportern vom Typ Segway. Die für das Kurgebiet eingeteilten Stadtpolizisten sollen mit diesem ökologischen und kostengünstigen Gefährt zur Jahresmitte in die Straßen ausrücken.
Das dritte Jahrzehnt
Mit dem Jahr 2013 trat die Stadtpolizei in das dritte Jahrzehnt ihres Bestehens ein. Wie viele andere Stadtpolizeien in Tschechien muss die Organisation mit dem Mangel an geeigneten Bewerbern zurechtkommen. Das führt nicht nur zu einer Anpassung der bisherigen Personalarbeit, sondern auch zu dem Bestreben, im unmittelbaren Dienst mehr Technik einzusetzen, die diesen wirksamer macht. Im Jahr 2015 startete die Modernisierung des MKDS und dessen weitere dynamische Erweiterung, die das optische Datennetz der Stadt nutzt und Schuleinrichtungen in das Projekt einbindet. Die ersten Vorreiter sind der Kindergarten in der E. Destinnové und die Grundschule Školní. Das Kamerasystem wurde schrittweise auf fast 60 Kamerastandorte ausgebaut. Ab 2016 steht den Stadtpolizisten zudem ein neues Informationssystem zur Verfügung, das die vollwertige Dateneingabe über mobile Geräte direkt von der Straße aus ermöglicht. Das Online-Kamerasystem aus den Fahrzeugen liefert der Leitstelle wiederum aktuelle Informationen über die Lage vor Ort.
Zu einem großen Problem wird nach und nach nicht nur die wachsende Zahl von Obdachlosen, die trotz der guten Sozialarbeit der Stadt und vor allem der Heilsarmee alkohol- und drogenabhängig auf der Straße bleiben, sondern vor allem die Unfähigkeit des Staates, diese Problematik wirksam zu lösen und den Kommunen die nötigen Instrumente an die Hand zu geben. Die unsystematische Regelung der Ausnüchterungsstationen in Tschechien verbessert die Lage in keiner Weise. Im Rahmen von Vereinbarungen der beteiligten Stellen übernahm die Stadtpolizei im Jahr 2015 die Transporte in die Ausnüchterungsstation vollständig, um die Belastung der medizinischen Einrichtung zu verringern, die in erster Linie den Patienten dienen soll.
Das Projekt „Assistent für Kriminalprävention“ (im Folgenden „APK“) wurde dank der Stadtpolizei im Jahr 2013 auch in Karlsbad gestartet. Vorrangiges Ziel war die Sicherung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Gegenden mit städtischen Wohnheimen sowie in Problemlagen. Nach und nach wurde die Zahl der Assistenten auf 13 erhöht. Von Anfang an schöpfte die Stadtpolizei Fördermittel aus Projekten des tschechischen Innenministeriums, ferner der EU und in der dritten Projektetappe des Arbeitsamts in Karlsbad.
Ein großer Fortschritt war das Projekt MOBIDIK (Mobiler interaktiver Kinderklub), also ein Klubraum auf Rädern. Der eigens dafür umgebaute Bus belegte 2014 den ersten Platz unter den Präventionsprojekten in Tschechien und trug mittelbar, dank des Einsatzes der Stadtpolizisten und der Mitarbeiter der Heilsarmee, zur Entstehung eines niedrigschwelligen Zentrums für Kinder und Jugendliche in der Úvalská ulice bei. In dieser Zeit zeigt sich deutlich das Engagement der Stadtpolizei im sozialen Bereich, denn gerade die Stadtpolizisten sind die Ersten, die den Folgen schwieriger sozialer Verhältnisse begegnen, und die Öffentlichkeit erwartet von ihnen eine Lösung.
Die Pflicht zu Verlängerungsprüfungen vor einer Kommission des Innenministeriums, die alle drei Jahre zu wiederholen sind, trägt erheblich zur guten Qualifikation der Stadtpolizisten bei. Daran änderte auch die Verlängerung des Intervalls auf fünf Jahre und die gesetzliche Einführung einer „finalen“ Prüfung nach 20 Jahren nichts, denn der Arbeitgeber arbeitet weiterhin mit der Pflicht zur sogenannten Nachverlängerungsschulung und unterstützt die Stadtpolizisten auch in weiteren Bereichen der Bildung und des fachlichen Wachstums. Die Karlsbader Stadtpolizei hatte als eine der wenigen keinerlei personelle Probleme mit der gesetzlichen Pflicht zur Ausbildung der Stadtpolizisten, und das bereits zwei Jahre im Voraus.
Ausbildung und Schulung konzentrieren sich auf die Beherrschung der Einsatztaktik, auf die Kommunikation mit schwierigen Bürgern und nicht zuletzt, im Bereich der Alarmempfangsstelle, auf die Bewältigung von Fällen, in denen Bürger durch einen „aktiven Schützen“ bedroht werden.
Das vierte Jahrzehnt
Das Jahr 2023 liegt noch nicht lange zurück, von Geschichte lässt sich also kaum sprechen, auch wenn die heutige Zeit sehr schnell, ja überstürzt ist. Die Stadtpolizei hat sich am Projekt SOS 112 beteiligt und plant den Bau einer neuen Dienststelle, die sie sich im Übrigen durchaus verdient hätte. Der Einsatz weiterer Technik, etwa des Überwachungsfahrzeugs CAM-CAR, eines Sprachdispatchersystems für die Leitstelle oder akustischer Detektoren, befindet sich bereits in der Phase laufender Projekte, und sobald daraus Geschichte geworden ist, werden wir uns ihr hier ausführlicher widmen :-).